Naturkosmetik erkennenPflegeprodukte mit natürlichen Inhaltsstoffen12.08.2009 Katja Sauerborn
Das NaTrue-Label für Biokosmetik - Natrue
Das grün-goldene Olivenöl fließt langsam aus der Karaffe, das reine Thermalwasser umspült sanft die Haut und die saftigen, von Hand geernteten Kräuter verleihen der Creme ihre intensive Wirkung. Solche und ähnliche Bilder kommen nur allzu häufig in der Kosmetikwerbung vor. Ein Bild von Harmonie und Natürlichkeit umgibt viele Pflegeprodukte. Doch wer echte Naturkosmetik sucht, kann sich auf diese Bilder leider nicht verlassen. Hinzu kommt, dass der Begriff Naturkosmetik nicht geschützt ist. Es gibt dazu keine gesetzlichen Regelungen wie beispielsweise zu dem Begriff „Bio“. Zertifizierer mit unterschiedlicher AusrichtungZu erkennen ist echte Naturkosmetik trotzdem. Verschiedene Labels haben sich mittlerweile etabliert – zum Beispiel das BDIH-Siegel mit Sitz in Deutschland, das aus Frankreich stammende Ecoert-Label und das noch recht junge NaTrue-Label auf europäischer Ebene. Die Standards der verschiedenen Organisationen sind unterschiedlich, doch wer Produkte mit diesen Zeichen kauft, kann sicher sein, Naturkosmetik in der Hand zu haben. Die Richtlinie des BDIHDer BDIH (Bundesverband deutscher Industrie- und Handelsunternehmen für Arzneimittel, Reformwaren, Nahrungsergänzungsmittel und Körperpflegemittel e.V.) hat im Jahr 2000 eine Richtlinie veröffentlicht, in der er Naturkosmetik definiert. Wichtige Punkte sind der Einsatz pflanzlicher Rohstoffe, die soweit es möglich ist, aus kontrolliert biologischem Anbau oder aus kontrolliert biologischer Wildsammlung stammen sollen. Es dürfen weder Stoffe toter Wirbeltiere eingesetzt werden noch Tierversuche durchführt werden. Rohstoffe, die aus bestimmten Stoffen, z.B. Fetten, Ölen und Proteinen, durch Hydrolyse, Veresterung und weiteren Verarbeitungsprozessen gewonnen werden, dürfen nur verwendet werden, wenn sie auf der Positivliste des BDIH stehen. Auf die folgenden Stoffe wird bewusst verzichtet: organisch-synthetische Farbstoffe, synthetische Duftstoffe, ethoxilierte Rohstoffe, Silikone und Paraffine sowie andere Erdölprodukte. Viele dieser Stoffe stehen im Verdacht, Allergien auszulösen und werden häufig nicht so gut vertragen wie die in der Naturkosmetik verwendeten Rohstoffe. Statt der Erdölprodukte werden hier pflanzliche Öle verwendet, die im Gegensatz zu den Paraffinen in die Haut einziehen und darüber hinaus viele pflegende Stoffe enthalten. Natürliche Konservierung ist der beste WegZum Konservieren der Naturkosmetik lässt der BDIH zum einen natürliche Konservierungssysteme und einige wenige naturidentische Konservierungsmittel zu. Sind letztere enthalten, muss auf dem Produkt jedoch der Zusatz „Konserviert mit ...“ erscheinen. Eine radioaktive Bestrahlung zur Entkeimung ist untersagt. Zu diesen Richtlinien kommen weitere Zielsetzungen hinzu. Hier spielen der aktive Einsatz gegen Genmanipulation, die ökologische Verträglichkeit im Herstellungsprozess und bezüglich der Verpackung eine wichtige Rolle. Auch auf sozialer Ebene sollen die Naturkosmetikfirmen aktiv sein. Die Einhaltung der Richtlinien und Zielsetzungen wird durch ein unabhängiges Prüfinstitut überprüft. Wird alles BDIH-konform umgesetzt, darf ein Produkt als Kontrollierte Naturkosmetik bezeichnet werden. NaTrue für einen Standard in EuropaNaTrue tritt seit 2007 mit dem Ziel an, dem Verbraucher mehr Transparenz in Sachen Naturkosmetik zu verschaffen und europaweit ein Label zu etablieren. Im Gegensatz zum BDIH-Siegel wird hier der Bio-Anteil der Naturstoffe erkennbar. Die Organisation unterscheidet drei Stufen: Naturkosmetik, Naturkosmetik mit Bioanteil und Biokosmetik. Das NaTrue-Zeichen mit einem Stern kennzeichnet Naturkosmetik. Es bildet die Grundlage für alle Natrue-zertifizierten Produkte. Die Inhaltsstoffe werden beschränkt auf Wasser, Naturstoffe, naturnahe Stoffe und naturidentische Stoffe. Die Herstellungsverfahren sowie die dafür notwendigen Rohstoffe sind genau festgelegt. Abhängig von der jeweiligen Produktkategorie gibt es einen Mindestgehalt an Naturstoffen und einen Maximalgehalt an naturnahen Stoffen. Beide unterscheiden sich bei den drei Stufen des Siegels. Die Anforderungen an die Produktzusammensetzung steigen mit der Anzahl der Sterne. Naturkosmetik, Naturkosmetik mit Bioanteil, Biokosmetik – die drei Stufen des NaTrue-LabelsDas Siegel mit zwei Sternen markiert Naturkosmetik mit Bioanteil. Der Anteil an Naturstoffen ist hier höher als bei der vorangegangenen Stufe. Mindestens 70 Prozent davon muss aus kontrolliert biologischem Anbau stammen. Die dritte Stufe, Biokosmetik, erhält drei Sterne. Hier müssen wiederum verhältnismäßig mehr Naturstoffe enthalten sein, wovon der Bioanteil bei 95 Prozent liegen muss. Die Einhaltung der Anforderungen wird auch bei NaTrue durch ein unabhängiges Institut geprüft. Sicherheit beim KosmetikkaufWer die Zeichen kennt, auf die er beim Kauf von Naturkosmetik achten muss, kann sich sicher sein, natürliche Pflegeprodukte zu bekommen. Zwar können auch Allergien gegen pflanzliche Stoffe bestehen, doch in den meisten Fällen wird Naturkosmetik sehr gut, teilweise sogar besser vertragen als konventionelle Produkte. Und im Gegensatz zu den Bildern von Olivenöl, Thermalwasser oder Kräutern bieten die Siegel nicht nur schönen Schein, sondern Sicherheit und Verlässlichkeit. Urheberrecht: Katja Sauerborn. Verwendung des Textes nur mit schriftlicher Genehmigung des Autors.
|